Karriere, Kohle, Knast – Ein Millionär berichtet

Im Rollstuhl

Seit meinem 17. Lebensjahr bedingt durch einen Autounfall im Rollstuhl sitzend, führte ich ein filmreifes Leben zwischen Luxuslimousinen, Kaviar, Trüffel und Champagner, Kokain und wilden Partynächten.

Als Steuerberater beherrschte ich wie kein Zweiter die Kunst der Geldvermehrung: Riskante Finanzgeschäfte zählten zu meinem täglichen Brot – dabei immer am Rande der Legalität, immer darauf bedacht, nicht von der Steuerbehörde, meiner Frau oder der Polizei erwischt zu werden. Dabei war ich anfangs jahrelang ein genialer und geschätzter Steuerberater im Münchner Jet-Set, dem es als Rollstuhlfahrer gelungen war, nach ganz oben zu kommen und sogar Konsul von Panamá zu werden. Später geriet ich immer häufiger mit dem Gesetz in Konflikt und handelte nach dem Motto: „Solange keiner von meinem Schweizer Konto weiß, bin ich Moralist.“

Heute kann ich rückblickend sagen: das waren „brutale ethische Aussetzer“ und ich kann den ersten Teil meines Lebens mit dem Worten „Gier frisst Hirn“ zusammenfassend auf den Punkt bringen.

Mein Dasein bestand aus einem Mix aus Sein und Schein, mit dem es sich prächtig leben ließ: Josef Müller, der vitale „Dreadnought“, der Fürchtenichts und Kraftprotz im Rollstuhl, der es allen, allen, allen gezeigt hatte.

Im Kreis der Schönen und der Reichen

Ich war der heimliche Star im Kreis der Schönen und Reichen, meine Kontakte reichten bis in höchste gesellschaftliche Kreise: Prinz Charles, Juri Luschkow, die al-Gaddafi-Familie, um nur einige meiner „Freunde“ zu nennen. Meine Visitenkarte kreiste auf den Edelpartys der Yachtbesitzer und auf den Golfplätzen der Schönen und Reichen.

Hinter vorgehaltener Hand tuschelte man, dass ich es wie kein Zweiter verstand, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Mein Ruf eilte mir voraus: Die Münchner Schickeria vertraute mir ihr Geld an – komplett ohne Sicherheiten. Die Gier meiner superreichen Mandanten war mein Motor, meine eigene Gier und Unersättlichkeit der Treibstoff meiner zunehmend dubiosen Geschäfte.

So landete auch Schwarzgeld bei mir, Millionen und Abermillionen, die mir z.B. von „Bruce“, einem – wie sich im Nachhinein herausstellte – Mafia-Gangster aus dem Waffenschieber- und Drogenmilieu anvertraut wurden. In Hartschalenkoffern transportierte ich 40 Millionen US-Dollar-Bargeld aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, um es hier anzulegen und zu vermehren. Ich kannte keine Grenzen: trotz Rollstuhl fand ich mich bald wie selbstverständlich im Milieu der Drogenbosse und Finanzkriminellen und machte mich zu ihrem Handlanger.

»Zwischendurch spürte ich hin und wieder eine tiefe Sehnsucht – aber nach was genau?

Zwischendurch spürte ich doch hin und wie.der eine tiefe Sehnsucht in meinem Herzen – aber nach was genau? Ich hatte doch alles: hübsche Freundinnen, schicke Wohnungen, Häuser, eine Yacht am Gardasee, Luxusautos, Hausangestellte…Ich musste nur mit den Fin.gern schnippen und meine Wünsche wurden erfüllt. Und trotzdem: hin und wieder, wenn ich mein „lautes Leben“ leiser werden ließ, spürte ich diese Sehnsucht ganz deutlich. Aber ich lernte, diese Empfindung gekonnt zu überspielen. Nach was sehnte ich mich? Woher kam dieses immer größer werdende Loch der Leere? Ich versuchte alles, um es zu schließen, aber nichts half. Erst später sollte mir dies gelingen, aber auf eine Weise, die ich so nie erwartet hätte.

Im Gefängnis

Schließlich geschah es: Als ich von meinem einzigen und langjährigen Freund massiv hintergangen bzw. betrogen worden war und durch diese kriminelle Handlungsweise auf die Fahndungsliste des LKA kam, erfuhr mein Leben einen sogenannten U-turn, eine totale und ungeplante Wende. Eine spektakuläre Flucht, mit der ich das LKA und das FBI fast 6 Monate lang frei nach dem Motto „Catch me if you can“ an der Nase herum geführt hatte, läutete das Ende der Ära „Protzkonsul“ ein. Am Ende wanderte ich ins Gefängnis: fünfeinhalb Jahre München-Stadelheim beendeten schlagartig mein Luxusleben. In dieser Zeit, in der ich in sämtlichen Lebens-Aktivitäten brutal ausgebremst worden bin, bekam ich die Chance, dieser Sehnsucht Raum zu geben und sie „zu identifizieren“.

Im Durchbruch

Es begann schon auf meiner Flucht in Miami, wo mir ein Zettel in die Hände fiel auf dem stand: „Fürchte Dich nicht, denn dein Gott ist mit dir, wo du auch gehst!“ – ein Satz aus der Bibel, im Buch Josua 1,9. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit einem der Sätze aus der Bi.bel und ihrer seltsamen Ausstrahlung in Berührung kam. Dieser Vers gab mir unheimlich Kraft, ich las ihn 4–5-mal täglich … und jedes Mal war es wie ein starker Kick der Kraft und Stärke. Wenige Wochen später – ich war schon im Gefängnis in Wien – fiel mir in der Bibliothek der Anstalt ein abgegriffenes Buch auf mit dem Titel „Neues Leben“. Neues Leben – das konnte ich gebrauchen! Und so begann ich darin zu blättern. Es war ein Neues Testament.

Bei meiner Überstellung nach München nahm ich es mit, schenkte es dann aber einem Mitinsassen. Am nächsten Tag war dieser in eine andere Anstalt verlegt worden. Seine Zelle, an der ich vorbeikam, war leer und geputzt – bis auf dieses Buch, das dort seltsamerweise noch in einer Ecke lag. „Das scheint mich zu verfolgen” dachte ich, nahm es an mich und begann zu lesen. Das Ergebnis war umwerfend. Zum ersten Mal in meinem Leben erkannte ich in aller Klarheit, dass ich meinem bisherigen Leben völlig da.nebengelegen hatte, dass ich viele Menschen verletzt hatte, dass ich immense Schuld auf mich geladen hatte.

Drei Tage lang ging es hinab in die tiefsten Tiefen, bis zu dem Punkt, wo ich mein Leben dem übergab, der von sich sagte: „Ich bin gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“ und: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“. Ich tat es mit den Worten: „Jesus, hier hast Du mein Leben. Wenn du diesen kaputten Haufen wieder in Ordnung kriegen kannst – na dann viel Spaß damit!“

Eine neue Erfahrung

Bild könnte enthalten: 2 Personen, Personen, die lachen Ich hatte erwartet, dass danach Gewaltiges geschehen würde –zumindest hätte es, als Zeichen der Zustimmung, in meiner Haftraum-Zelle blitzen und donnern können. Es tat sich – nichts. Zunächst.

Doch dann wachte ich zwei Tage später auf und konnte es kaum fassen: ich war von einer Freude und einem Frieden durchströmt, den ich in dieser Intensität noch nie erfahren hatte. Ich wusste ohne den geringsten Zweifel: nun hatte ich ein nagelneues Leben bekommen! Meine Freude war so gewaltig, dass Mitinsassen den Anstaltsarzt baten, ihnen auch diese Glücks- und Energie-Pillen zu geben, die er offenbar mir verabreicht hatte! Ich wusste – so schwer das jemandem zu erklären ist, der diese Erfahrung noch nicht gemacht hat – dass Gott selbst, der Urheber dieses Universums, mich liebte, nur weil ich existierte. Nur deswegen! Nicht wegen meines Luxus, meiner Autos, Yachten, Frauen oder wegen Geld – denn das interessiert nur Menschen. Woher ich das wusste? Jesus sagte: „Wer mich sieht, der sieht das Wesen Gottes.“ Und plötzlich war mir dieser Satz, wie die vielen anderen Aussagen in der Bibel, zu einer inneren unumstößlichen Gewissheit geworden.

Und jetzt wollte ich diesen Jesus richtig kennenlernen! Ich erhielt von der Evangelischen Allianz ein Stipendium für ein Studium bei der BFU – einer theologischen Fernschule. Dieses Studium brachte mich über die Zeit im Gefängnis und als ich nach fünfeinhalb Jahren im August 2010 entlassen wurde, war ich ein vollkommen neuer Mensch geworden. 37 Kilo weniger, meine Identität war nicht mehr bei den Menschen, sondern bei Gott und ich war glücklich und frei. Innerlich frei! Und das hatte ich noch nie in meinem Leben erlebt, das konnten mir der ganze Reichtum und all der Luxus nicht bieten. Ein Glück der Superklasse – Dank der Lebensänderung infolge einer bis dato mir völlig unbekannten Erkenntnis, wer dieser Jesus wirklich ist.

Was ich dort im Gefängnis erlebte, wie ich mein Handeln heute sehe, welche dramatische Wendung mein Leben plötzlich nahm, und die Erkenntnis, dass diese Befähigung zu einem neuen, zum ersten Mal wirklich sinnerfüllten Leben für alle Menschen verfügbar ist, ließen mir keine Ruhe. Ich schrieb diese Erfahrungen in einem Buch auf (Ziemlich bester Schurke – wie ich immer reicher wurde, fontis Verlag CH) und reise mittlerweile durch alle deutschsprachigen Länder, erzähle aus meinem Leben, „predige“ gegen Gier und zeige auf, wie man wahren Reichtum und eine brennende Lebensmotivation finden kann.

Ein neuer Mensch

Vor allem freut es mich, gerade den Menschen, die täglich im Geschäftsleben stehen, diese Nachricht weiterzusagen, um ihnen diesen heutzutage fast vollständig in Vergessenheit geratenen Weg des Evangeliums von Jesus Christus zu einem echt sinnerfüllten Leben, zu einem Leben in Kraft, Freiheit und Glück zu vermitteln.